© Alain Wirth © Alain Wirth

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Medienmitteilung - Walliser Pärke für lokale Lebensmittel

Im März und April fand die zweite Ausgabe der Walliser Pärke Filmabende statt. Die drei Walliser Naturpärke Naturpark Pfyn-Finges, Parc naturel régional de la Vallée du Trient und der Landschaftspark Binntal wählen jährlich einen Film zu einem Nachhaltigkeitsthema aus, das sie beschäftigt und organisierten jeweils im Anschluss eine Diskussion mit lokalen Produzenten und Experten.

In Grengiols, Sierre und Evionnaz zeigten die Pärke mit «Der Geschmack der Dinge» von Alain Wirth das Leben und Wirken zweier engagierter Gemüsebauern aus Vevey. Die beiden Landwirte vom Betrieb «Praz Bonjour» haben sich den Prinzipien der Agrarökologie verschrieben – einer Landwirtschaftsform, die nachhaltig, sozial gerecht und ökologisch verträglich ist.

Die lokale Lebensmittelproduktion von Pierre-Gilles Sthioul und Antoine Meier bringt zahlreiche Vorteile mit sich: unbelastete Böden und Produkte, der Erhalt traditioneller Kulturlandschaften sowie kurze Transportwege, die Emissionen reduzieren. Frische Lebensmittel und der Direktverkauf sichern die Existenzgrundlage der beiden Landwirte und ihrer Mitarbeitenden. Ebenso bedeutend ist die Bewahrung von Wissen in der Lebensmittelproduktion sowie die Vermehrung von reproduzierbarem Saatgut.

Beeindruckend ist die Leidenschaft und Ganzheitlichkeit, mit der die beiden Männer ihrer Arbeit nachgehen. Gleichzeitig zeigt der Film auch die Herausforderungen: die körperlich anspruchsvolle Arbeit und die Schwierigkeit, einen solchen Betrieb wirtschaftlich nachhaltig zu führen. Mit diesen Herausforderungen sieht sich auch Ayla Helbling in der Binnachera bei Ernen konfrontiert. Sie schlägt daher einen neuen Weg ein und arbeitet fest mit einem Hotel zusammen, welches Ihr die Abnahme und damit ein gewisses Einkommen garantiert.

André Summermatter, selbstständiger Agronom, erläuterte dem Publikum im Landschaftspark Binntal, dass die Schweizer Landwirtschaft vom Bund drei zentrale Aufträge hat: die Produktion von Lebensmitteln, die Offenhaltung der Landschaft und den Erhalt der dezentralen Besiedlung. Gerade im Gemüsebau, der vergleichsweise wenig Fläche beansprucht, sind Produzenten darauf angewiesen, einen höheren Wert über das Produkt selbst zu generieren.

Dies ist jedoch herausfordernd, da die Zahlungsbereitschaft für Lebensmittel – insbesondere für unverarbeitetes Gemüse – gering ist. Eine Studie des Bundesamt für Statistik aus dem Jahr 2018 zeigt, dass ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt lediglich 6,3 % seines Einkommens für Nahrungsmittel ausgibt. In den 1970er-Jahren lag dieser Anteil noch bei 20–30 %. Im gleichen Bericht wird aufgezeigt, dass 5,8 % für Restaurants und Hotels sowie 5,4 % für Unterhaltung ausgegeben werden. Rein rechnerisch wäre somit genügend Einkommen vorhanden, um stärker in lokale Lebensmittel zu investieren. Die politischen Rahmenbedingungen in Kombination mit der hohen Preissensibilität führen dazu, dass die Schweiz nur knapp die Hälfte ihrer Lebensmittel selbst produziert. Die Abhängigkeit von Importen ist entsprechend hoch.

Antoine Meier, der im Naturpark Pfyn-Finges bei einer Filmvorführung anwesend war, erklärte dem Publikum, dass eine im Supermarkt gekaufte Zucchini nicht zwingend günstiger sei. Oft sei das Gewicht im Supermarkt geringer, was den Eindruck erwecke, lokal und umweltfreundlich produziertes Gemüse sei teurer.

Patrick Honauer – Koch, Unternehmensberater und Pionier im Aufbau von Lebensmittelnetzwerken – erläuterte in Grengiols, wie solche Netzwerke die lokale Produktion stärken können. Produzenten, Verarbeiter und Konsumenten stehen dabei in engem Austausch. Auch für „Praz Bonjour“ ist die Gastronomie ein zentraler Absatzkanal: Regelmässige Bestellungen bieten Planungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität. Bei der Filmvorführung im Naturpark Vallée du Trient tauschte sich Pierre Gilles Sthioul mit dem Bauern Colin Pillet aus Martigny-Combe aus. Sie bestätigen die Bedeutung persönlicher Beziehungen und eines partizipativen Ansatzes für den Erfolg dieser lokalen Produktions- und Vertriebsnetzwerke. Dadurch ist es uns Konsumenten möglich zu erkennen, welchen Wert die Produkte haben und welche Arbeit hinter der Erzeugung steckt.

Contacts
Elena Macherhammer, Projektleiterin Wirtschaftsförderung im Landschaftspark Binntal, 077 527 41 42 elena.macherhammer@landschaftspark-binntal.ch
Sophie Michaud, responsable durabilité du Parc naturel Pfyn-Finges, s.michaud@pfyn-finges.ch, 027 452 60 68
Prune Roulier, Cheffe de projet, prune.roulier@parc-valleedutrient.ch 079 856 23 97

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