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Dichtestress im Landschaftspark Binntal?

Eine Sonderausstellung im Heimatmuseum Jost Sigristen in Ernen macht sich Gedanken zur Siedlungsentwicklung im Binntal. Wie kann das baukulturelle Erbe im Landschaftspark Binntal erhalten und in Wert gesetzt werden in einer Region mit Nullwachstum?

Dichtestress im Binntal? Den sucht man hier vergebens. Auch die bauliche «Verdichtung», das neue Zauberwort erfunden zur Bewältigung des urbanen Bevölkerungswachstums, ist hier kein Thema. Im Gegenteil, das Tal und seine Gemeinden sind von einer schleichenden Auszehrung ausgesetzt – obwohl Wohnraum preisgünstig zu haben ist und die Reserven an unbebauten Parzellen beträchtlich sind.

Die Herausforderung besteht hier darin, unter den Bedingungen von Nullwachstum ein bedeutendes baukulturelles Erbe zu erhalten und in Wert zu setzen und den Gemeinden – unter dem Damoklesschwert des neuen Raumplanungsgesetzes – trotzdem gewisse Entwicklungsperspektiven zu eröffnen. Wie umgehen mit einer solchen Situation, ohne dass Bodeneigentümer und Gemeinden ausschliesslich als Verlierer dieser «grossen Politik» ums Bauland dastehen?

Sonderausstellung in Ernen

Sandra Savin, Absolventin des Studiengangs Medien an der Fachhochschule Chur, hat es sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspark Binntal zur Aufgabe gemacht, dieses heikle Thema einem grösseren Publikum näher zu bringen. In einer Ausstellung, die zurzeit im Jost-Sigristen-Museum in Ernen zu sehen ist, zeigt die Stationen und Eindrücke einer Promenade durch das Parkgebiet und folgt dabei dem roten Faden, den ein Modellvorhaben des Bundes zur Siedlungsentwicklung nach innen in diesem Territorium ausgelegt hat.

Im Zentrum der Ausstellung steht ein grossformatiges Poster, das veranschaulicht, wie das Siedlungsgebiet in 20 bis 30 Jahren aussehen könnte: Die traditionellen Ortszentren sind wiederbelebt, über die Flur verteilte Häusergruppen sind zu kompakten Siedlungskernen verdichtet, dazwischen sind unbebaute Freiräumen mit fliessenden Siedlungsrändern entstanden. Die alten und neuen Regeln der Baukunst werden respektiert, ohne dass auf zeitgenössische Wohn- und Mobilitätsbedürfnisse verzichtet werden muss – kurz, man setzt mehr auf Qualität statt Quantität in der Hoffnung, dass sich das eines Tages auszahlen wird. Der Preis dafür ist, dass man nicht mehr überall alles haben kann.

Karikaturistische Bildschirmanimationen

Das Zukunftsszenario wird jedoch gleichzeitig in Form von Bildschirmanimationen und Zeichnungen auch anders, nämlich karikaturistisch zugespitzt und verzerrt, dargestellt. Gezeigt wird beispielsweise die Vision einer weiteren Zersiedelung mit einer Siedlung aus monoton aufgereihten Chalets oder auch das Wunschbild eines romantisch-idyllischen Dorfplatzes, wo sich die Dorfgemeinschaft einträchtig zu ihren Alltagsgeschäften und Anlässen trifft.

Oder die Animation kontrastiert die raue Schönheit des traditionellen Holzbaus mit den glatt polierten Fassaden und ausladenden Balkons der zeitgenössischen Architektur. Und immer wieder taucht das Motiv der Landschaft auf, deren starke und vielfältige Präsenz das Siedlungsgebiet nach innen und aussen rhythmisiert und stets neue, überraschende Ein- und Ausblicke bietet. Diese Inszenierung der Landschaft ist zweifellos eine der spezifischen Qualitäten des Siedlungsbaus in der Region. Sie vermittelt das Gefühl, in einem Park zu leben, der sich sehr zutreffend Landschaftspark Binntal nennt.

Die Ausstellung im Keller des Heimatmuseums Jost Sigristen in Ernen ist noch bis am 10. Oktober 2018 zu sehen. Öffnungszeiten: 8.00 bis 18.00 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.