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Auf den Spuren alter Oberwalliser Volksmusik

Im Auftrag des Landschaftsparks Binntal hat der Musiker Anselmo Loretan, bekannt als Klarinettist beim Volksmusikensemble «apartig», die alte instrumentale Volksmusik in den Parkgemeinden und im Goms erforscht und in einem Bericht gewürdigt. Viele der gefundenen Musikstücke werden am 18. November an einem Tanzabend wie anno dazumal aufgeführt.

In der Schweizer Volksmusikszene ist Vieles in Bewegung. «Einerseits begehen die Musiker neue Wege, andererseits besinnt man sich vermehrt wieder auf die alte Volksmusik, die in Gefahr war, langsam vergessen zu werden», erzählt der Klarinettist Anselmo Loretan aus Varen. Auch sein Ensemble «apartig» interessiert sich für alte Volksmusik, natürlich vor allem aus dem Oberwallis. «Unser Ziel ist es, eine ‚etwas andere Volksmusik’ zu spielen, es ist uns aber auch wichtig, unsere Wurzeln nicht zu vergessen und traditionelle Stücke aufzuführen», sagt Loretan.

Deshalb machte er sich auf die Spuren der alten instrumentalen Oberwalliser Volksmusik. Er begann seine Nachforschungen in der Region Leuk, im Auftrag des Naturparks Pfyn-Finges, und bemerkte bald, dass im östlichen Oberwallis mehr Material vorhanden ist. So fragte er beim Landschaftspark Binntal nach, ob Interesse an einem Projekt zur Volksmusikforschung bestehe. Das Resultat ist ein Bericht mit dem Titel «Alte instrumentale Volksmusik in den Gemeinden des Landschaftsparks Binntal und im Goms».

Die Arbeit glich derjenigen eines Detektivs

Anselmo Loretan hat Sammlungen und Archive durchstöbert, Literatur und Tondokumente wie Schallplatten und Magnetbänder studiert und sich mit zahlreichen Personen unterhalten. «Meine Arbeit glich derjenigen eines Detektivs», erzählt Loretan. «Im Allgemeinen war aber wenig Notenmaterial vorhanden, weil die Musikanten damals auswendig spielten. Zum Glück haben ihre Nachfolger später einige Tänze aus dem Gedächtnis oder von Tonaufnahmen notiert.» Am Ende liess sich so ein lebendiges Bild der alten Volksmusik zusammenfügen: Die Leute tanzten in Stuben und Wirtshäusern zu Walzer, Polka und Schottisch, die von den Musikern typischerweise auf dem Hackbrett, der Klarinette, der Geige und später auf der Handorgel gespielt wurden.

D’Walpeni aus Grengiols und das Hackbrett 

Zwei wichtige Walliser Musikanten waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts die beiden Fiescher Theodor und Johann Franzen. Von ihnen ist ein Heft mit «Gomser Tänzen» erhalten, die sogenannte Franzen-Sammlung von Hanny Christen. In der Literatur fand Loretan viele Hinweise auf Oberwalliser Hackbrettspieler, darunter auch Rosalie Heimen aus Grengiols, die in der damaligen Zeit eine der wenigen öffentlich musizierenden Frauen gewesen sein dürfte. Bereits ihr Vater Alois Heimen war ein wahrer Künstler auf dem Hackbrett, und ihre beiden Neffen, Josef und Adolf Walpen, sollten Mitte des letzten Jahrhunderts als Walpeni-Brüder bekannt werden.

Mit 17 Jahren begann Josef Klarinette zu spielen, beherrschte aber bald auch die Geige, das Hackbrett, die Handorgel und das Sopransaxophon. Sein Bruder Adolf spielte leidenschaftlich Hackbrett. Die Spezialität der Walpeni-Brüder war das vierhändige Spiel auf diesem Instrument: eine akrobatische und koordinative Meisterleistung. Sie begannen auch, selber Hackbretter herzustellen, wobei Josef fürs Handwerkliche und Adolf fürs Musikalische zuständig war. Ihre teils selbst gebauten Instrumente finden sich heute in der Walpeni-Sammlung der Gemeinde Grengiols, die 2009 im Rahmen einer Ausstellung zu Ehren der beiden legendären Musiker entstand.

Der Tanzanlass wie anno dazumal

Mit Julius Wyden aus Ernen liess sich ein Zeitzeuge finden, der regelmässig mit den Walpeni-Brüdern musiziert hat. Er begleitete die beiden auf der Handorgel. Julius Wyden hat auch rund 50 eigene Volksmusikstücke geschrieben, die, wie er selber sagt, aus gefällig schönen und zum Teil schweren Tänzen bestehen. «Im persönlichen Gespräch mit Julius habe ich viel Spannendes über die Tänze von damals erfahren», erzählt Loretan. So zum Beispiel, dass der Fasnachtstanz drei Tage dauerte, und die Musiker jeweils bis in die frühen Morgenstunden spielten. Die tanzfreudigen Leute tranken italienischen Wein, und manchmal gab es zur Stärkung eine Fleischsuppe. Um Mitternacht machte man eine Stunde Pause, um sich zu Hause zu verpflegen. In Ulrichen beispielsweise luden die Dorfmädchen die Burschen zum «Kaffee» ein, wie Vitus Imsand, ein weiterer Zeitzeuge, zu berichten weiss. Die Mädchen schnitten tüchtig Fleisch auf, da es bei den Tanzanlässen üblicherweise keine Speisen im Angebot hatte.

Unterhaltungsabend wie anno dazumal

Am Samstag, 18. November 2017 lädt der Landschaftspark Binntal im alten Schulhaus in Grengiols zu einem Tanzabend wie vor 100 Jahren. Das Volksmusikensemble «apartig» spielt unter anderem alte Stücke und Tänze von den «Walpeni», von J. M. Imhof, Julius Wyden, Josef Imhof, Markus und Beat Tenisch sowie aus der «Franzen-Sammlung» von Hanny Christen. Die Oberwalliser Trachtentanzgruppe präsentiert Oberwalliser Tänze. Zur Stärkung gibt‘s Fleischsuppe, Gemüsesuppe und Alpkäse. Mehr Infos...

Bericht von Anselmo Loretan

Artikel im Parkinfo